

Krankenhausstudie 2026:
Zeit für Entscheidungen – Neue Risiken für eine Branche unter Druck
Die Lage ist angespannt. Neu ist, dass die Verschlechterung nicht mehr überrascht.
Die deutschen Krankenhäuser stehen vor einer Zäsur. Die wirtschaftliche Lage hat sich nicht nur verschlechtert, sie ist zur neuen Realität geworden. Defizite werden nicht mehr als Ausnahme erlebt, sondern als feste Größe in der Planung verankert. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz schafft darüber hinaus neuen, strukturellen Erlösdruck ab 2027. Die häufigste Reaktion der Branche: operative Kostensenkung und verschobene Investitionen. Was fehlt, sind strategische Entscheidungen zu Leistungsportfolio, Standorten und Partnerschaften. Die Roland Berger Krankenhausstudie 2026 zeigt, warum genau jetzt gehandelt werden muss, und wie.
73%
der Krankenhäuser schließen das Geschäftsjahr 2025 mit einem Defizit ab
84%
erreichen trotzdem ihr Ergebnisziel aus dem Wirtschaftsplan
7%
Erlösverlust erwarten die Häuser im Durchschnitt für 2027 durch das BStabG
Für die Roland Berger Krankenhausstudie 2026 wurden im Juni und Juli 2026 rund 600 Führungskräfte aus dem deutschen Krankenhaussektor befragt, Geschäftsführungen und Ärztliche Direktorinnen und Direktoren. Die teilnehmenden Kliniken repräsentieren im Hinblick auf Umsatz, Mitarbeiterzahl, Bettenzahl, Trägerschaft und Versorgungsstufen das gesamte Spektrum der deutschen Kliniklandschaft.
Wirtschaftliche Lage
Die Verluste erreichen eine neue Rekordhöhe
56%
der Häuser schließen 2025 mit einem Fehlbetrag von 10 bis 25% ihres Umsatzes ab. Dieser Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr vervielfacht (+42 pp).
Quelle: Roland Berger Krankenhausstudie 2026
Insgesamt weisen mehr als drei Viertel der Häuser eine negative Ergebnismarge aus, lediglich rund jedes zehnte eine positive. Ein Großteil der Krankenhäuser rutscht damit nicht knapp, sondern strukturell unter die Tragfähigkeitsgrenze. Die Frage "Defizitär oder nicht?" verliert an Relevanz – Ergebnismarge und Substanzverzehr werden zur entscheidenden Größe.
Punktuelle Fehlbetragsdeckung ist bei negativen Ergebnissen dieser Größenordnung nicht mehr ausreichend. Gefragt sind jetzt strategische Entscheidungen über Leistungsportfolio, Standorte und Kapitalausstattung.

"Mehr als jedes zweite Haus verschiebt Investitionen, um den Erlösdruck kurzfristig abzufedern. Das verbessert zwar vorübergehend die Ergebnis- und Liquiditätssituation, aber die Verluste sind mittlerweile zu hoch. Ohne strategische und strukturelle Maßnahmen, die von vielen Beteiligten einiges abverlangen, wird deshalb kein Krankenhaus seine Zukunft langfristig sichern können."
Wirtschaftsplanung
Krankenhäuser planen deutlich präziser – und mit Defiziten
Erreichen der wirtschaftlichen Vorgaben
Konnte das im Wirtschaftsplan angegebene Jahresergebnisziel Ihres Krankenhauses erreicht werden? [% der Nennungen]
Private Träger nicht ausgewiesen. Quelle: Roland Berger Krankenhausstudie 2026
Bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit: Während die Planerfüllung sprunghaft steigt, bleibt die Defizitquote nahezu unverändert. Fast vier von fünf defizitären Häusern erreichen ihr Planziel dennoch, unabhängig von Versorgungsstufe und Bettenzahl. Planerfüllung bedeutet dann nicht Profitabilität, sondern das Erreichen eines bewusst defizitär kalkulierten Ergebnisses.
Lautete der Befund in den Vorjahren, die Lage sei schlechter als erwartet, so gilt 2026 erstmals: Die Lage ist so schlecht wie erwartet.
Blick in die Zukunft
Wenig Hoffnung auf eine Besserung der Lage – 2029 wird zum Belastungshöhepunkt
Entwicklung der finanziellen Lage im Vergleich zu 2025
Was ist Ihre Erwartung für die Entwicklung Ihres Krankenhauses in den nächsten Jahren?
Veränderung zum Vorjahr per Hover auf ein Segment. Quelle: Roland Berger Krankenhausstudie 2026
Gegenüber dem Vorjahr ist das eine deutliche Eintrübung. Wo zuletzt noch rund die Hälfte der Häuser mittelfristig auf eine Verbesserung setzte, dominiert nun ein mehrjähriges Negativszenario. Ergebnis und Liquidität entwickeln sich dabei nicht parallel: Ein einzelnes besseres Ergebnis schafft noch keinen finanziellen Spielraum.
Die Branche rechnet nicht mit einer Erholung, sondern mit einer mehrjährigen Durststrecke.
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Das BStabG erhöht den Erlösdruck.
In dieser Situation sorgt das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz für zusätzliche Belastungen. Die Belastung resultiert dabei nicht aus einem einzelnen Mechanismus, sondern summiert sich aus verschiedenen Maßnahmen.
Ziel
Umfassende Reduktion der jährlichen Ausgaben der Krankenkassen für die Gesundheitsversorgung zur Stabilisierung der Beiträge
Wirkung
Reduktion der allgemeinen Refinanzierung, Verschärfung der regulatorischen Anforderungen, Reduktion der Refinanzierung der Pflege
Zeitpunkt
Gesetzgebungsverfahren im Juli 2026 abgeschlossen, zentrale Maßnahmen treten zum Wirtschaftsjahr 2027 in Kraft
Erwarteter Erlösverlust
Krankenhäuser erwarten 2027 im Durchschnitt 7% Erlösverlust durch das BStabG
Erlösverlust durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz für 2027
Wie hoch schätzen Sie den Erlösverlust Ihres Krankenhauses durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in 2027 ein? [% der Nennungen]
Rechner zur Orientierung, keine Prognose. Quelle: Roland Berger Krankenhausstudie 2026
Für 2027 erwarten die Krankenhäuser infolge des Gesetzes einen durchschnittlichen Erlösverlust von sieben Prozent. Zwei Drittel rechnen mit fünf bis zehn Prozent, kein Haus mit mehr als 20 Prozent.
Die Größenordnung bestätigt Annahmen der Krankenhausträgerverbände, die von rund acht Prozent ausgehen.
Erlösrisiken
Je nach Versorgungsstufe unterscheiden sich die zentralen Risiken für die Erlössituation
Negative Einflussfaktoren auf die Erlössituation
Welche der Maßnahmen haben den größten negativen Einfluss auf die Erlössituation Ihres Krankenhauses? [% der Top-3-Nennungen]
Methodik: Je Faktor Anteil der Häuser mit Rang 1 bis 3, bezogen auf die Häuser, die den Faktor bewertet haben. Quelle: Roland Berger Krankenhausstudie 2026
Als zentrales Erlösrisiko gilt die Streichung der Tarifrefinanzierung, die rund drei Viertel der Häuser zu den drei stärksten negativen Einflussfaktoren zählen. Das breiteste Risikoprofil weisen Häuser mit 500 bis 1.000 Betten auf, also die Gruppe, die schon heute die größten Defizite aufweist.
Gut ein Drittel der Häuser sieht ihre Finanzplanung über mehrere Jahre erheblich belastet, ein Viertel sieht die Fortführung des Betriebs ohne strukturelle Eingriffe als existenzgefährdet.
Gegenmaßnahmen
Personal und Effizienz stehen im Vordergrund – mehr als jedes zweite Haus verschiebt Investitionen
Einsparmaßnahmen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Welche Einsparmaßnahmen ergreifen oder planen Sie infolge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes? [% der Nennungen]
Quelle: Roland Berger Krankenhausstudie 2026
Die Krankenhäuser setzen damit vor allem dort an, wo sich Ergebnis und Liquidität kurzfristig verbessern lassen. Das ist unter dem gegebenen Druck nachvollziehbar, verschiebt den Anpassungsbedarf jedoch in die Zukunft.
Die gestiegene Planungssicherheit hat bislang nur begrenzt zu strategischen Portfolio- und Strukturentscheidungen geführt.

"Dass mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser Verluste in dieser Höhe verzeichnet, zeigt, dass viele die Reserven aus der Vergangenheit aufgebraucht haben und jetzt vollständig von den finanziellen Möglichkeiten des Trägers abhängig sind. Die Zahl der Insolvenzen wird aller Wahrscheinlichkeit stark steigen."
Empfehlungen
Operative Effizienz allein reicht nicht – drei Empfehlungen für eine zukunftsfähige Positionierung
Wirtschaftliche Steuerung neu ausrichten
Die finanziellen Folgen des BStabG für das eigene Haus individuell bis auf Fachabteilungs - und Leistungsgruppenebene berechnen und daraus Szenarien für Ergebnis und Liquidität ableiten.
Planungsstärke in Entscheidungsstärke übersetzen
Ein Wirtschaftsplan, der ein strukturelles Defizit verlässlich prognostiziert, ist kein Steuerungserfolg, sondern ein klarer Handlungsauftrag für fundierte Strukturentscheidungen.
Ganzheitlich transformieren statt punktuell anpassen
Sieben Prozent Erlösverlust lassen sich nicht durch eine Summe von Einzelmaßnahmen kompensieren. Wer heute aktiv wird, verhandelt mit Liquidität, Personal und Optionen. Wer wartet, wird bald kaum noch Optionen haben.
Wie Roland Berger unterstützt
Handlungsfähig bleiben – auch unter Druck
Als global tätige Strategieberatung begleitet Roland Berger Krankenhäuser seit vielen Jahren in Strategie, Ergebnisverbesserung und Transformation. Unsere Expertise reicht von Medizin-, Digitalisierungs- und IT-Strategien über Organisations- und Prozessoptimierungen bis hin zu Fusionen und Verbundlösungen.
Wir machen die Erlöswirkung des BStabG für Ihr Haus messbar und überführen sie in tragfähige Entscheidungen zu Leistungsportfolio, Standorten, Partnerschaften und Investitionen. Sprechen Sie uns an. Gemeinsam entwickeln wir die Antwort, die zu Ihrem Haus und Ihrer Region passt.

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